Kurzgeschichte.

Sie starrte mir direkt in die Augen. Dann drehte sich ihr Kopf um hundertachtzig Grad und wieder zurück und starrte mir direkt in die Augen. Da hat mich die Angst gepackt.
Heute bin ich nicht mehr bei den Eulen- ich meine bei den Strigiformes. Seit Dezember bin ich bei den Leporidae. Ich war schon immer ein Halbstarker -schon von Anfang an. Als junger Bursche (ich trug Blue Jeans, ein weisses T-Shirt und eine rote Lederjacke, genau wie James Dean, der König der Halbstarken) hatte ich ein frisiertes Töffli mit dem ich Dritt- und Viertklässler einkreiste, die sich auf dem Heimweg befanden. Ja, wegen mir kamen viele zu spät zum Essen.
Therese war eine Klasse über mir. (Wenn ich nicht die zweite Klasse hätte wiederholen müssen, wären wir zusammen zur Schule gegangen.) Sie hatte lange, struwwelige Haare und eine Pigmentstörung. Ich fand sie noch nett.
Therese arbeitet auch hier, sie hat Veterinärmedizin studiert. Früher, als wir noch Kinder waren, hat sie viel über Igel zu berichten gewusst: „Igel schmatzen“ oder „Igel tragen immer viele Zecken mit sich herum, weil sie halt so klein sind und sich, wie Zecken, in Gebüschen aufhalten“ hat sie oft gesagt. Wegen einer Dummheit bin ich im Gefängnis gelandet- für zwei Jahre. Therese hat damals gerade das Gymnasium beendet. Erkennen tut sie mich nicht, die Therese, wenn sie bei den Hasengehegen vorbeikommt. Sie ist, soviel ich weiss, nicht verheiratet.
Item, Tierpfleger ist ein solider Beruf- wie ich finde. Dort, wo ich zwei Jahre lang verbringen musste, hatte es auch Hasen. Ich war für deren Fütterung zuständig, und ich habe freiwillig deren Käfige geputzt. Als ich meine Strafe abgesessen hatte, durfte ich die Hasen mit nach Hause nehmen. Die Wärter versicherten mir, dass sich bis anhin niemand so liebevoll um sie gekümmert hat und dass sie bei mir sicher bestens aufgehoben wären. Ich weiss daher mehr über sie, also über Hasen im Allgemeinen, als zum Beispiel über den Kaiserschnurrbart-Tamarin. Meine Hasen, Therese und Jan, sind recht artig, so artig, dass sie ab und zu auf mein Sofa dürfen. Wenn es mir nicht gut geht, merken das die Hasen und kommen mich beschnuppern.
Nicht Hunde- nein! Hasen sind doch immer noch der beste Freund des Menschen.

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