Der laue, süsslich duftende Frühlingswind trug die fröhlichen Klänge des Jahrmarkts bis in die schwärzesten Ecken der Stadt. Dort hallten sie weiter, bis sie schliesslich von den hohen Stadtmauern verschluckt wurden. Antonin blieb draussen auf der Treppe sitzen um diesem melancholisch klingenden Konzert zuzuhören. Es war ein sonderbares Gemisch aus munterer Fröhlichkeit und bitterem Klagen, denn es hörte sich an, also ob der Widerhall dieser Jahrmarktsstimmen mit letzter Kraft darum flehten, nicht von den Stadtmauern aufgesogen oder vom Wind wie aufgescheuchte Wildpferde weitergetrieben zu werden.
All dies hatte auf Antonin eine ganz geheimnisvolle, fast fantastische Wirkung. Stunde um Stunde verging, ohne dass sich Antonin von der Treppe erhob.
Er konnte auch nicht, irgend Etwas schien ihn festzuhalten. Er kam sich vor wie gelähmt, denn die unzähligen Versuche, sich am Treppengeländer festzuhalten um sich daran aufzuziehen, misslangen. Eine unsichtbare Kraft, die mächtiger war als alles andere, was er bis jetzt kannte, hielt ihn fest. Seltsamerweise hatte er das Gefühl zu fliegen. Manchmal verschwand der Treppenabsatz unter seinen Füssen und an seine Stelle traten dicke, weisse Wolken, die sich wie ein Teppich vor ihm ausbreiteten.
Plötzlich gingen die Wolken auseinander und Antonin fiel in die Tiefe. Für einen kurzen Moment hörte er die fröhlichen Jahrmarktstimmen. Sie wurden immer lauter, und als sie ihn eingeholt hatten, verstummten sie. Die Stimmen hatten ihn überholt. Dann schaute er wieder nach unten. Er sah einen kleinen, blauen Fleck, der sich, je mehr Antonin in die Tiefe stürzte, vergrösserte. Es war ein vom Schlamm überdeckter Teich. Antonin fiel Kopf voran hinein. Als er auftauchte, sah er nichts als Dunkelheit und Nebel. Dann hörte er jemanden mit seiner, Antonins, Stimme singen. Er wollte nach dieser Person rufen, doch statt seiner lieblich sanften Stimme ertönte ein breites Ekel erregendes Quaken. Entsetzt und ausserordentlich beängstigt schaute Antonin in die Dunkelheit. Etwas in den Sträuchern hatte sich bewegt: „Wer ist da?“, fragte seine eigene Stimme, und ein kleiner grüner Frosch spähte zwischen den Gräsern hervor.
Der Wind war an diesem Tag so stark, dass er die Stimmen mitgerissen hatte und sie dort fallen liess, wo er gerade innehielt. Es was Antonins Schicksal, dass der Frosch gerade zu dieser Zeit und an diesem Ort war, wo der Wind seine Stimme fallengelassen hatte.

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